SPD gegen Windräder

Der Bürgerverein zitiert die Veröffentlichung der Wachtberger SPD vom 27.02.2021 :

„Windenergiestandort Wachtberg – eine faktenbasierte Bewertung oder: – die Fakten sprechen dagegen

von Roswitha Schönwitz | Feb 27, 2021 | Windenergie

Die SPD hatte in einem vorangehenden Artikel bereits die frühzeitige Beteiligung der Bürgerinnen
und Bürger am jetzt wieder in Gang gesetzten Verfahren zur Ausweisung von Windkraft-
Konzentrationszonen in Wachtberg gefordert. Dazu gehört für uns auch eine detaillierte Darstellung
der Faktenlage. Wir haben weiter recherchiert. Hilfreich waren dabei auch die Emails, die Sie auf
unseren Aufruf hin geschickt haben. Herzlichen Dank!
Einige Bundesländer weisen großräumig Zonen für die Windenergie aus, NRW allerdings nicht.
Hier bleibt es den Gemeinden überlassen, entsprechende Zonen zu definieren, was zu der
unbefriedigenden Situation führt, dass kleinräumig einige wenige meistens nicht sehr rentable,
Windräder herumstehen. Die Gemeinde ist verpflichtet, der Windenergie Raum zu geben, wo das
möglich ist. Um die Planungshoheit zu behalten wurde vor dem Hintergrund der Investorentätigkeit
in Adendorf das 2017 abgebrochene Verfahren zur Ausweisung einer Konzentrationszone für
Windenergie wieder eröffnet, wir hatten darüber berichtet.
Circa 80 % der Gemeindefläche kommt hierfür schon wegen der Nähe zu Fraunhofer und der
Erdbebenstation Todenfeld nicht in Betracht. Die Fläche ein Adendorf entspricht der Fläche, die im
Verfahren von 2017 als einzig mögliche Zone gutachterlich dargestellt wurde. Allerdings soll der
vorgeschriebene Mindestabstand zur Bebauung Mitte dieses Jahres von 1500 auf 1000 m reduziert
werden. Auch sind die Rotoren inzwischen gewachsen. Ging das Gutachten 2017 noch von einer
Gesamthöhe von 170 m aus, sind es inzwischen mindesten 200 m, wenn nicht gar 250 m. Kleinere
Rotoren nicht wirtschaftlich zu betreiben, zumal der Wind bei uns nicht allzu stark weht. Das
damalige Gutachten ist also überholt.
Dr. Roswitha Schönwitz, umweltpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion stellt klar: „Die von
anderen Fraktionen ins Spiel gebrachten keulenförmigen Rotoren ohne Rotorblätter halten einer
Überprüfung nicht stand. Sie sind für den geplanten Standort viel zu ineffektiv. Wichtig ist auch zu
wissen, dass der Handlungsspielraum der Gemeinde bei der Festsetzung von Bedingungen für die
Windenergieanlage begrenzt ist. Die Windenergie hat Vorrang und darf nicht über Gebühr eingeengt
werden. Die Höhe der Windräder auf unter 200 m festzusetzen oder neuartige Windradtypen zu
fordern hat nach Meinung der technischen Experten keinerlei Chance auf Durchsetzung vor
Gericht, eher wird man bei 250 m landen.
Auch bei Erweiterung der Zone durch die Anwendung der 1000 m-Regel bleibt sie sehr klein,
erwartet werden maximal drei Windräder. Entsprechend gering ist die Wirtschaftlichkeit. Ein
Ausbau über die Grenze nach Grafschaft ist nicht möglich. Die Nähe zum Naturschutzgebiet
Swistaue und der Nachweis geschützter Arten im Planungsgebiet wie Rotmilan, Feldlerche und
mehrere Fledermausarten machen umfangreiche Abschaltzeiten nötig. Die Lage am Erdbebengebiet
Kölner Bucht verlangt zusätzliche Sicherungsmaßnahmen. Das alles verringert die
Wirtschaftlichkeit zusätzlich.
Vor diesem Hintergrund bekommen die negativen Auswirkungen der Anlage für das
Landschaftsbild und die Natur großes Gewicht. Immerhin punktet Wachtberg mit einem sehr
attraktiven und besonders im Planungsgebiet stimmigen, unverbauten Landschaftsbild.“
Auch Kai Birkner von der enewa hält nicht viel vom Windpark bei Adendorf. Man habe sich bereits
intensiv mit dem Thema befasst und sei zu dem Schluss gekommen, die Anlage sei kaum rentabel
zu betreiben. Die enewa würde zwar einsteigen, aber nur aus Verantwortung für die Gemeinde. Die
enewa setze auf Photovoltaik, Geothermie und Stromsparen. Besonders bei Photovoltaik sei bei uns
noch viel Luft nach oben, auch Einsparungen seien noch in deutlichem Umfang möglich.
Die Gefahr ist also gross, dass sich die Anlage langfristig als unrentabel herausstellt, die Windräder
dann aber trotzdem für lange Zeit stehen bleiben werden, inklusive umfangreicher Infrastruktur wie
Zuwegung, Versorgungscontainer und Stromtrassen. Ein Rückbau ist sehr teuer und erfolgt
erfahrungsgemäß so gut wie nie.
Die Wachtberger SPD-Fraktion setzt sich für den Umstieg auf erneuerbare Energien ein, damit die
Gemeinde zu einem realistischen Zeitpunkt klimaneutral werden kann. Vor dem Hintergrund der
oben dargestellten Randbedingungen halten wir die Errichtung von Windenergieanlagen allerdings
nicht für einen geeigneten Weg. Natürlich ist das Argument: „wenn jeder grundsätzlich Windräder
möchte aber auf keinen Fall vor seiner eigenen Haustür, kommen wir nicht weiter“ ehrenwert, das
sollte aber im Umkehrschluss nicht bedeuten, dass man an jedem Ort und unter allen Bedingungen
Windräder befürworten muss. Wir sehen andere Ansätze zur klimafreundlichen Erzeugung von
Energie wie Photovoltaik und Geothermie, die Förderung des ÖPNV und Radverkehrs und der
regionalen Vermarktung als geeigneter für unsere Gemeinde. Die Gemeinde muss dringend ein
umfassendes Energiekonzept für Wachtberg in Angriff zu nehmen.
Erneut fordern wir von der Gemeinde eine umfangreiche und zeitnahe Information aller
Bürgerinnen und Bürger über die erfolgten und die nächsten Schritte, inklusive einer
Bürgerversammlung, sobald dies möglich ist.“ (Quelle: Homepage SPD Wachterg)